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Eine Handvoll Monde später

Der Wind rüttelt an den Zeltwänden. Keshi schiebt eine kleine, froststarre Gestalt, aus deren Schatten eine riesige schwarze Katze tritt, auf das in der Zeltmitte prasselnde Feuer zu. Dann verschnürt sie sorgfältig die runde Eingangsklappe.
Sie schüttelt sich die Eiskristalle aus den zottigen rot-schwarzen Haaren und lässt sie mit den Funken des Feuers um die Wette tanzen. Der Panther tut es ihr gleich.
"Ja, fühl' dich nur wie zu Hause, Celadi", lacht sie und gibt der Katze einen herzhaften Knuff in die Seite. Die revanchiert sich mit einem ungestümen Tatzenhieb. Wenige Augenblicke später balgen die beiden auf dem fellbedeckten Boden.

Deekin Schuppensänger, der kleine grauschuppige Kobold am Feuer verdreht die Augen. "Sharess und ihre Kinder, tsss! ... Edle Jägerin, Keshi Ginadh, was gibt es zu Abend: großen, stinkenden Kater und kleinen, nassen Mann? Schmackhaft – nicht wahr, Xanos?"
"Xanos hätte gehen sollen. Lecker Hasen-Eintopf mit Rola-Blättern hätte es gegeben!", grollt der Angesprochene, ein massiger Halbork mit blitzenden Hauern und Augen.
"Hier! Fang, Großer!" Keshis Rucksack segelt mit elegantem Schwung durch das Zelt und landet in Xanos' riesigen grünen Händen.
"Was ist das?"
"Noch nichts – aber es wird mal Hasen-Eintopf mit Rola-Blättern, mmmmmmh!"
"Fein", nickt Deekin und wendet sich Keshi zu, die inzwischen die Katze abgeschüttelt hat und wieder auf den Beinen ist. "Und mit wem wir teilen Wein, Gastfreundschaft und", seine Augen glitzern vor Aufregung, "neue Geschichten?"

Die hochgewachsene Kämpferin schenkt dem Kobold ein warmes Lächeln, als sie von ihm einen Becher heißen Würzweins entgegen nimmt. Dann wendet sie sich ihrem Gast zu, der inzwischen dem nassen Umhang abgelegt hat und sich die klammen Finger am Feuer wärmt: ein schmächtiger Halbling mit langem blauschwarzen Haar, das er zu einem Pferdeschwanz gebunden hat. Sein Gesicht ist blass und scharf geschnitten. Doch die feinen Fältchen in den Augenwinkeln verraten, dass er gern und viel lacht. Gelacht hat?
"Willkommen in Keshis Zelt, Teloki Schattenfell!"
Sie kniet nieder, um ihrem Gast in die Augen zu sehen, während sie ihm den Becher reicht. Kurz scheint es, als würde der Schatten einer schmerzlichen Erinnerung - oder Vorahnung? - über ihr Gesicht huschen. Dann ist der Moment vorüber.
"Teile mit uns den glühenden Wein, gebraut von Xanos Messarmos, unserem halborkischen Hexenmeister mit einem Willen aus Granit und einem Lachen aus Basalt."
Xanos setzt die Begrüßung fort. Der große Halbork kniet vor Teloki wie ein Fels. Seine mächtigen Hände umfassen vorsichtig die schmalen Schultern des Halblings  und sein Stimme gleicht tatsächlich dem ohrenbetäubenden Dröhnen einer schwingenden Steinsäule.
"Teile mit uns eine Geschichte für unseren Barden Deekin Schuppensänger, dem verblüffenden Meister verwirrender Worte mit Gold im Herzen und Silber in der Kehle."
Der kleine Kobold schließt letztendlich den Reigen.
"Schaut, Freunde: nicht bücken Deekin sich muss, zu grüßen seinen Gast!" Für einen Augenblick berührt seine schuppige Stirn die Telokis. 'Oooooh, große Geschichte für kleinen Barden! Aber ...' "Den Kreis am Feuer zuerst du teilst mit uns, dann Lager und Traum mit Keshi Ginadh, deren Klinge so scharf wie Eiswind und Hand so sanft wie Windhauch in Morgensonne."
Teloki schluckt und macht einen – so hofft er – unauffälligen Schritt in Celadis Richtung.
"Gleiches Willkommen natürlich auch gilt für dich, großes Schattenfell", wendet sich Deekin, dem die kleine Bewegung nicht entgangen war, an Telokis Tiergefährten.
"Nun ja – vielleicht nicht Wein für dich, aber Rest von zarten Kaninchen?"
Celadi umrundet lautlos das Feuer und reibt den mächtigen Schädel am Bein des Halborks.
Teloki ist sich plötzlich nicht sicher, wie viele von den Kaninchen, die er und Keshi in den letzten, klirrend kalten Stunden erlegt haben, tatsächlich im Topf und wie viele im Magen seines Gefährten landen werden.
"Mein Freund Celadi bedankt sich für die Einladung und ...", er wirft der großen Katze einen eingehenden Blick zu, "... wird sich ausnahmsweise benehmen! ... Hoffentlich", setzt er leise hinzu. Dann leert er den Becher heißen Weins in einem Zug.

Der Blizzard draußen hat an Stärke gewonnen. Er heult um das Zelt wie ein hungriger Warg. Eiskristalle kratzen an den Wänden und aus der Ferne ertönt das Ächzen der Gletscher, die sich mühevoll durch das Land schieben. Doch im Zelt ist still und anheimelnd. Der Wein wärmt, ebenso das Feuer. Auf irgendeine Art und Weise auch die Aura des seltsamen Trios.
'Was für eine Gesellschaft! Ein halborkischer Koch, ein singender Kobold und ein wunderschönes, aber völlig verrücktes Mädchen ...' Schattenfell erinnert sich an ihr unverhofftes Zusammentreffen im Morgengrauen ... 'Rolablätter! Wie auch immer: Man muss schon verrückt sein, wenn man sich mitten im Winter nach Novularond wagt', denkt er. Ein Fast-Lächeln stiehlt sich in sein Gesicht. 'So wie ich.'

"Ah – pathetische Gedanken vorüber jetzt!" Deekin klatscht vergnügt in die Hände. "Praktisches Tun: Xanos brockt lecker Eintopf ein. Keshi und Teloki hören endlich auf, vollzutropfen schönes Zelt und großer Schattenfell-Kater sollte schwarze Nase aus Deekins Tasche ziehen, jetzt-gleich-sofort!"
"Und Deekin?", fragt Keshi spitzbübisch über die Schulter, während sie Teloki in den hinteren Teil des Zeltes schiebt, wo neben der Ausrüstung auch trockene Kleider lagern.
Der Kobold lässt sich auf die weichen Felle fallen. Seine goldenen Augen leuchten.
"Deekin wird auf das Feuer achten, grooooße Verantwortung, ja?"

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So - hier hat sich plötzlich die Geschichte selbständig gemacht. Und ich habe ihr als damals noch grünschnäbliger Schreiberling ihren Willen gelassen. Nicht sehr professionell, ich weiß ... :ashamed:

Wer auf Morags schnellen Tod gehofft hat, muss sich wohl noch etwas gedulden (hämisches Grins!) .
Und wer das NWN-Add On "Shadows of Undrentide" gespielt hat, findet in Deekin und Xanos zwei alte Bekannte wieder, denen ich jedoch ein paar neue Seiten angedichtet habe. Atari möge mir vergeben ...

Wer SoU nicht gespielt hat (auch nicht schlimm, weil ich mir nur die Charaktere und die Welt ausgeliehen habe) - hier ein ganz kurzes "who is who?":
-> Keshi - mein Spielcharakter, ein Mensch ... ein ganz normaler (?) Mensch, der eine ziemlich gutes Verhältnis zu seinem Schwert und ein getrübtes zu seiner Vergangenheit hat
-> Xanos Messarmos - im Spiel ein ziemlich tumber, von sich eingenommener Halbork, der die arkanen Künste beherrscht; hier bei mir etwas liebenswerter, hoffentlich ...
-> Deekin Schuppensänger - im Spiel ein recht nerviger Kobold-Barde mit einem ähnlich gestörten Verhältnis zur Grammatik wie Meister Yoda; hier bei mir ein mystischer Tagträumer-Besserwisser-Geschichtsjunkie
-> der schwarze Panther Celadi ... Geduld, das klärt sich später auf.

Wer von Euch in der Zeichensetzung bei der wörtlichen Rede sattelfest ist, kann mir gern helfen.


english version:
:bulletpink: "A few Moons later"

vorhergehendes Kapitel:
:bulletred:"Hier und Jetzt"

nächstes Kapitel:
:bulletblue:"Ein Klang für Schuppensänger"

Zurück zum Anfang?
:bulletgreen:Hier!




credits:Neverwinter Nights is owned by BioWare/Atari/Wizards of the Coast/Obsidian (did I forgot someone?)

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August 8, 2012
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:iconeinsamer-wanderer:
*EINsamer-wANDERER Aug 9, 2012  Hobbyist Writer
Also ich versteh nicht, was so schlimm daran sein soll, wenn sich die Geschichte selbstständig macht. "Unprofessionell" würde ich das nicht nennen. Schließlich wird die Geschichte durch Spontanität authentischer. Wenn man alles von vorne bis hinten plant, wirkt das nachher doch unterkühlt und aufgesetzt, um nur eine von vielen möglichen Nebenwirkungen zu sprechen.

Ich hatte bei der Geschichte arge Probleme die Figuren auseinander zu halten. Die Hintergründe werden zu wenig geklärt, als das man diesen Schnipsel als Außenstehender verstehen könnte. Die Charaktere noch einmal unter der Geschichte zu präsentieren ist zwar klug, bringt einem beim Lesen aber gar nichts, dann müsste man eventuell nochmal lesen. Ich weiß ja nicht wie andere das sehen, aber dazu bin ich einfach zu faul.
Dafür ist der Text auch zu konfus. Allein der zweite Satz wie die Katze aus dem Schatten trat, während Keshi die Gestalt (leider habe ich nicht herauslesen können wer das war) schiebt, aber es wird nicht erklärt, warum sie die Gestalt schiebt. Wie groß und schwer ist sie? Kann man sie nicht einfach tragen und wie soll ich mir das vorstellen jemanden durch den Schnee zu schieben? Müsste sie (also die Gestalt) dann nicht andauernd umkippen oder starken Widerstand verursachen, weil der Schneeberg immer größer wird?
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:iconshoughad:
=shoughad Aug 9, 2012  Hobbyist Digital Artist
*lacht* (trotz unfreiwilliger Bettruhe mit Kopfschmerz und Norovirus) Ein fauler Leser ... oh je! Du wirst es schwer mit mir haben!
Schieben war hier nur figürlich gemeint - so, als würde man mit einem Kumpel, der absolut keine Lust darauf hat, auf eine Party gehen und würde ihn quasi vor sich herschieben, damit er über die Schwelle der Kneipe kommt.
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:iconeinsamer-wanderer:
*EINsamer-wANDERER Aug 9, 2012  Hobbyist Writer
Ich sagte ja, da muss man mehr Details rein bringen, um es zu verstehen.
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:iconshoughad:
=shoughad Aug 9, 2012  Hobbyist Digital Artist
Du hast Recht - ist halt meine Furcht davor, pseudo-tolkienske Schinken zu produzieren, bei denen der Leser nach 10 Seiten Landschaftsbeschreibung eingeschlafen, erfroren oder verdurstet ist. ;)

Unsere Zeit ist "kurzatmig" geworden. Filmr müssen heute schnell geschnitten sein, "Zu Risiken und Nebenwirkungen ...", muss vom Sprecher idealerweise in 2 Sekunden aufgesagt werden können - und ich ertappe mich selbst schon dabei, wie ich eine Fanfic zur Seite lege, wenn ein Kapitel mal mehr als zweitausend Worte umfasst. :(
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:iconeinsamer-wanderer:
*EINsamer-wANDERER Aug 9, 2012  Hobbyist Writer
Schon klar, aber Tolkien ist nun ein ziemlich krasses Beispiel.
Ich kenne Autoren die Kapitel von Zwanzig Seiten schreiben, dass lese ich mir durch und nach meiner Erfahrung nach auch andere. Und es kann mir deshalb auch gefallen. Sehr sogar, meistens sogar noch mehr als deine kurzen Schnipsel, weil da mehr erzählt wird.

Und wer sagt, dass man mit zweitausend Wörtern nicht arbeiten kann? Dann wird der Storyanteil eben etwas gekürzt. Weniger als jetzt geht doch gar nicht, oder? Ich habe auch ein Talent mit einigen Sätzen ein ordentliches Kopfkino zu schaffen, man muss nur wissen wie und wenn nicht probieren, wie dann?

Und was die Medizinwerbung angeht, so hat das ganz andere Hintergründe. Ich sage nur Geld.
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:iconshoughad:
=shoughad Aug 10, 2012  Hobbyist Digital Artist
Naja, inzwischen schreibe ich auch schon mal mehr als nur "Schipsel". In diesem Sinne war ich dann schon lernfähig. ;)
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